Akupunktur – mit Nadeln die Schmerzen bekämpfen

Die Akupunktur ist eine Therapiemethode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie existiert schon seit über 2000 Jahren und wird meist zusammen mit anderen chinesischen bzw. asiatischen Heilmethoden kombiniert. Dazu gehören beispielsweise Qigong und Tai-Chi (Bewegungstherapien) oder chinesische Heilkräuter und chinesische Diätetik. Die Akupunktur ist eine Weiterentwicklung der Akupressur, bei der meist mit den Fingern gearbeitet wird. Bei der Akupunktur werden die gleichen Punkte genutzt wie bei der Akupressur, diese werden allerdings mit Nadeln stimuliert. Beide Techniken dienen dazu, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und so die Gesundheit wiederherzustellen. Richtig angewendet kann die Akupunktur bei einer Vielzahl von Krankheiten förderlich sein.

Grundlage der Akupunktur – Meridiane und Akupunkturpunkte

Die Traditionelle Chinesische Medizin geht von einer Lebensenergie aus, die Qi genannt wird. Diese fließt in allem, was lebt, und bildet im menschlichen Körper ein Netzwerk aus Energie. Die einzelnen Leitbahnen der Energie werden als Meridiane bezeichnet. Um die Gesundheit des Körpers zu gewährleisten, muss das Qi ausgewogen sein und ungehindert fließen können. Wird der Energiefluss behindert, so führt das zu Krankheiten. Der Fluss kann durch verschiedene innere und äußere Faktoren beeinflusst werden, sowohl physikalische Einwirkungen als auch seelische wie Wut und Freude. Auch ein ungesunder Lebensstil oder Verletzungen können das Qi behindern. Welche Krankheit aus einer Blockade erwächst, hängt von dem betroffenen Meridian ab. Insgesamt gibt es zwölf Hauptmeridiane und acht außerordentliche Meridiane. Die Hauptmeridiane werden in Yin- und in Yang-Meridiane unterschieden. Die Yin-Meridiane verlaufen an Vorder- bzw. Innenseite des Körpers:
  • Herzmeridian
  • Nierenmeridian
  • Lebermeridian
  • Lungenmeridian
  • Milz-Pankreas-Meridian
  • Perikardmeridian
Die Yang-Meridiane hingegen verlaufen an Rück- bzw. Außenseite:
  • Dünndarmmeridian
  • Blasenmeridian
  • Gallenblasenmeridian
  • Dickdarmmeridian
  • Magenmeridian
  • Dreifacher-Erwärmer-Meridian (keinem Organ zugeordnet)
Yin- und Yang-Meridiane sind miteinander verbunden. Auf ihnen liegen 361 Akupunkturpunkte. Jeder dieser Punkte hat eine unterschiedliche Wirkung. Anatomisch exakte Angaben erleichtern dem Akupunkteur die Punktsuche.

Ablauf einer Akupunkturbehandlung

Eine Akupunktur kann von einem naturheilkundlichen Arzt oder einem Heilpraktiker ausgeführt werden. Die Behandlung dauert etwa 30 Minuten und wird meistens im Liegen durchgeführt. Für die Therapie werden sterile Nadeln benutzt, die in nur wenige bestimmte Akupunkturpunkte gestochen werden. Meist werden nicht mehr als 16 Punkte stimuliert. Beim Einstechen kann es zu Schmerzen kommen, diese sollten allerdings nach kurzer Zeit verschwinden und durch ein Schwere- oder Wärmegefühl ersetzt werden. Dieses Gefühl weist darauf hin, dass der passende Akupunkturpunkt genau getroffen wurde. Nach dem Einstechen verbleiben die Nadeln für circa 20 bis 30 Minuten in der Haut. Danach werden die Nadeln wieder entfernt.

Nebenwirkungen von Akupunktur

Wenn die Akupunktur fachkundig angewendet wird, kommt es nur sehr selten zu unerwünschten Nebenwirkungen. Nur, wenn sehr tief genadelt wird, kann es zu blauen Flecken kommen. Manchmal ist die Wirkung auf das bestehende Körpergleichgewicht so stark, dass es dem Patienten schwindelig wird. Ein erfahrener Arzt oder Heilpraktiker kennt dann Punkte-Kombinationen, mit denen er wieder ausgleichen kann. Kinder unter zwölf Jahren und stark geschwächte Patienten werden meist nicht mit Akupunktur behandelt. Auch bei Patienten mit starken psychischen Störungen wie Schizophrenie darf die Akupunktur nicht angewendet werden. Bei schwangere Frauen ist Vorsicht geboten, weil verschiedene Punkte Wehen auslösen können. Richtig angewandt kann Akupunktur aber auch viele Beschwerden rund um die Schwangerschaft sanft lindern.

Indikationen für eine Akupunktur

Die Akupunktur wird bei einer Vielzahl von Erkrankungen empfohlen. In Studien konnte ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Migräne, chronischen Rückenschmerzen und Schmerzen durch Kniearthrose gezeigt werden. Generell wird Akupunktur häufig gegen Schmerzen eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2002 eine Liste von Beschwerden erstellt, bei denen Akupunktur zum Einsatz kommen kann:
  •  Neurologische Störungen (zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder Kopfschmerzen)
  • Atemwegserkrankung (zum Beispiel Bronchitis oder Asthma)
  • Erkrankungen des Verdauungstraktes (zum Beispiel Gastritis oder Verstopfung)
  • Heuschnupfen
  • Schlafstörungen
  • zur Geburtsvorbereitung
  • Erkrankungen der Augen (zum Beispiel Netzhautentzündungen)
  • Erkrankungen im Mundbereich (zum Beispiel Zahnfleischentzündungen)

Häufigkeit und Bezahlung der Akupunktur

Bei vielen Erkrankungen kann schon eine einzelne Sitzung die Beschwerden beheben. Prinzipiell gilt, dass für leichte Erkrankungen oder neu aufgetretene Schmerzen eine bis drei Sitzungen reichen. Bei länger andauernden Schmerzen können bis zu zehn Sitzungen nötig sein. Chronische Krankheiten und schon sehr lange bestehende Beschwerden können sogar zehn bis fünfzehn Sitzungen benötigen. Die geburtsvorbereitende Akupunktur beginnt meist ab der 36. Schwangerschaftswoche. Oft muss die Behandlung selbst gezahlt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Akupunkturbehandlung aber meist im Rahmen einer Schmerztherapie, wenn der Arzt eine qualitativ hochwertige Akupunkturausbildung nachweisen kann.

Sonderformen der klassischen Akupunktur

Es gibt einige Sonderformen der Akupunktur. Dazu gehören beispielsweise die Ohrakupunktur, die Hand- und Fußakupunktur und die Kopf- beziehungsweise Schädelakupunktur. Diese Areale sind sogenannte Mikrosysteme, das heißt: Sie repräsentieren auf einem kleinen Bereich den gesamten Körper. Eine Alternative zur klassischen Akupunktur sind die Laserakupunktur und die Elektroakupunktur. Bei diesen Formen werden die Punkte mit Licht oder elektromagnetischen Wellen stimuliert. Außerdem verbinden einige Therapeuten auch Homöopathie mit Akupunktur. Dabei werden homöopathische Komplexmittel in die passenden Akupunkturpunkte gespritzt. Das wird Injektionsakupunktur oder Homöosiniatrie genannt.
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