Cantharidenpflaster

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Cantharidenpflaster-Behandlung – ausleitendes Therapieverfahren der Naturheilkunde

In der naturheilkundlichen Praxis spielen Ausleitungsverfahren eine wichtige Rolle. Sie unterstützen den Körper dabei, abgelagerte Stoffwechselendprodukte loszuwerden – umgangssprachlich werden diese gern als Schlacken bezeichnet, das Ausleiten entsprechend als Entschlacken. Beliebte Ausleitungsverfahren sind beispielsweise das Schröpfen oder der Aderlass.

Das Cantharidenpflaster ist hingegen etwas in Vergessenheit geraten. Nur wenige Naturheilkundler setzen es noch ein, was auch damit zusammenhängt, dass es nicht mehr so leicht zu beschaffen ist. Dieses natürliche und stark wirksame Mittel, das mit Hilfe der Spanischen Fliege hergestellt wird, kann bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt werden.

Die Spanische Fliege als Therapeutikum

Das Cantharidenpflaster ist ein Pflaster, das mit einer Salbe aus der getrockneten Spanischen Fliege (Lytta vesicatoria) versehen ist. Die Spanische Fliege ist - anders als der Name es vermuten lässt - keine Fliege, sondern ein Käfer aus der Familie der Ölkäfer. Die ausgewachsenen Käfer werden bis zu zwei Zentimeter lang und sind metallisch-grün gefärbt.

Aus den zermahlenen Käfern wird ein Pulver hergestellt, das den Wirkstoff Cantharidin enthält. Es handelt sich dabei um eine Substanz aus der Gruppe der Monoterpene, die zu den besonders starken Reizmitteln gehört. Cantharidin ist nicht nur zur äußeren Anwendung in der Naturheilkunde bekannt. Dem Wirkstoff wird ferner eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt, weshalb die Spanische Fliege auch als Potenzmittel bekannt ist.

Hautreiztherapie mit dem Cantharidenpflaster

Sobald das Pflaster auf der Haut klebt, verstärkt sich in dem entsprechenden Bereich die Durchblutung durch eine Erweiterung der Blutgefäße. Durch die Reizwirkung tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus, sodass es zu einer Quaddelbildung auf der Haut kommt. Dadurch sollen Giftstoffe vermehrt ausgeschieden werden. Verbleibt das Pflaster auf der Haut, entsteht durch eine Ansammlung der Lymphflüssigkeit nach rund 24 Stunden eine große Blase.

Bei Menschen mit lymphatischer Konstitution, also solchen, bei den das Lymphsystem eine konstitutionelle Schwachstelle ist und die deshalb zu häufigen Infekten neigen, kann die Blasenbildung schon deutlich früher eintreten. Beim Patienten macht sich die Entstehung der Blase durch ein leichtes Brennen bemerkbar. Je länger das Pflaster klebt, desto größer wird die Blase mit Gewebeflüssigkeit und desto bedeutender ist der Effekt. Manchmal hört man dafür die Bezeichnung „Lymphblase“.

Paracelsus, der bekannte Arzt des Mittelalters, war sich sicher, dass Schmerzen dort entstehen, wo der Körper schädliche Stoffe ausscheiden möchte. Diese Absicht soll mit dem Cantharidenpflaster unterstützt werden. Durch die Hautreizung und die verstärkte Durchblutung sowie die Aktivität des Lymphsystems werden Schadstoffe und Schlacken aus dem Gewebe abgeleitet. Zudem regt der Wirkstoff Cantharidin sowohl das Nerven- als auch das Kreislaufsystem an. Auch blockierte Energien können so wieder in den natürlichen Fluss kommen.

Anwendungsgebiete des Cantharidenpflasters

Aufgrund der umfassenden Wirkung kann das Cantharidenpflaster recht vielfältig eingesetzt werden. Rheumatische Erkrankungen gehören zu den Haupteinsatzgebieten. Dabei wird das Pflaster direkt über den schmerzenden Gelenken oder im Bereich der Wirbelsäule platziert. Bei Ischiasschmerzen hat sich das Pflaster im Lendenwirbel- und Sakralbereich bewährt. Strahlen die Schmerzen aus, kann zusätzlich ein Pflaster auf die betroffene Gesäßseite geklebt werden.

Auch bei Beschwerden im Bereich des Brustkorbs kann das Cantharidenpflaster genutzt werden. So kann sich die entkrampfende Wirkung des Pflasters beim Asthma bronchiale oder chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) positiv auswirken. Selbst bei nervalen Störungen, Depressionen oder beim Burnout-Syndrom kann das Cantharidenpflaster in der naturheilkundlichen Praxis eingesetzt werden.

Weitere Einsatzbereiche des Pflasters sind:

  • chronische Entzündungen der Mandeln oder Mandelabszesse
  • Trigeminusneuralgien (Geschichtsschmerzen)
  • Schwindel
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Migräne
  • Kopfschmerzen

Das gilt es zu beachten

Nach der Anwendung muss das Pflaster sehr vorsichtig entfernt werden. Die Blase wird anschließend mit einer sterilen Nadel geöffnet, damit die Flüssigkeit abgesaugt werden kann. Manche Therapeuten reinjizieren die Flüssigkeit dann in Form einer Eigenlymphbehandlung, die der bekannteren Eigenblutbehandlung ähnelt. Nach der Behandlung muss der Bereich der Blase mit einer sterilen Wundabdeckung versehen werden.

Nach dem Abheilen der Wunde kann eine schwache Hautverfärbung zurückbleiben. Das Pflaster darf nie auf Schleimhäute geklebt werden. Ebenso ist der Bereich der Nieren für die Anwendung nicht geeignet, da es sonst zu einer Nierenreizung kommen kann. Menschen mit einer Reizung von Niere oder Blase bzw. mit Nieren- oder Blasenerkrankungen sollten auf das Cantharidenpflaster grundsätzlich verzichten.

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