Infusionstherapie

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Infusion – was ist das?

Infusum ist das lateinische Wort für den Aufguss. Wenn wir also beispielsweise getrocknete Pfefferminzblätter oder Kamillenblüten mit kochendem Wasser übergießen, dann stellen wir damit einen Aufguss bzw. Infus her. Meistens sagen wir einfach Tee dazu.

Infusio ist der lateinische Begriff für das Hineingießen. Als intravenöse Infusion bezeichnet man die Verabreichung größerer Mengen Flüssigkeit direkt in die Vene. Meist handelt es sich dabei um ein Arzneimittel, das in Verbindung mit einer physiologischen Trägerlösung verabreicht wird. Was das ist: eine physiologische Lösung bzw. eine Infusionslösung und warum die auch oft ohne ein Medikament verabreicht werden, das erfahren Sie weiter unten im Text.

Welche Arten von Infusionen gibt es?

Üblicherweise wird eine Vene in der Ellenbeuge punktiert, um hier die Infusionsflüssigkeit zu verabreichen. Man spricht in diesem Fall von einer peripher-venösen Infusion. Peripher-venös bedeutet, dass periphere Venen genutzt werden, also solche, die sich an den Extremitäten befinden. Im Unterschied dazu wird bei manchen Erkrankungen im Krankenhaus ein zentralvenöser Zugang gelegt. Dabei gelangt die Infusionslösung in unmittelbarer Nähe des Herzens in die Vene.

Insbesondere zur Verabreichung einer Chemotherapie wird oft ein Port bzw. Portkatheter gelegt. Das ist ein dauerhafter Zugang zu einem Gefäß, der über einen längeren Zeitraum immer wieder genutzt werden kann.

Darüber hinaus wird in Notfall-Situationen auch manchmal eine intraossäre Infusion gelegt. Hierbei gelangt die Infusionslösung direkt ins Knochenmark.

Es gibt auch subkutane Infusionen. Hier werden größere Mengen an Flüssigkeit in das Unterhautfettgewebe (Subcutis) injiziert. Diese kommen insbesondere bei der Behandlung älterer Patienten und in der Altenpflege zum Einsatz, um eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit zu gewährleisten.

Man kann intravenöse Infusionen auch danach unterscheiden, über welchen Zeitraum sie gegeben werden: Dauerinfusionen oder Kurz(zeit)infusionen. Dauerinfusionen werden meist in Krankenhäusern gelegt. Sie dauern über mehrere Stunden oder auch Tage. Sie kommen u.a. dann zu Einsatz, wenn der Patient parenteral ernährt werden muss. Von parenteraler Ernährung spricht man, wenn die Ernährung unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes erfolgt. Enteron ist der Darm.

Der Vollständigkeit halber sei auch noch der Begriff Transfusion erwähnt: Dabei handelt es sich um eine Übertragung von Blut direkt über die Vene ins Blutgefäßsystem.

Wozu dient die Infusionstherapie?

Der größte Vorteil einer Infusion bzw. Injektion ist die Bioverfügbarkeit des verabreichten Stoffes: Das, was tatsächlich direkt in die Vene kommt, steht dem Körper auch unmittelbar zur Verfügung - also sowohl schnell als auch vollständig.

Diejenigen Stoffe oder Arzneimittel, die wir über den Verdauungstrakt zu uns nehmen, müssen überwiegend über den Dünndarm aufgenommen werden. Der Darm ist eine große Barriere. Nur ein Teil der so aufgenommenen Stoffe gelangt auch wirklich ins Blut.

Im Vergleich zur Injektion hat die Infusion den großen Vorteil, dass große Mengen gegeben werden können und das Arzneimittel über einen längeren Zeitraum gleichmäßig verteilt verabreicht werden kann.

Der Infusionstherapie nutzt man also unter folgenden Bedingungen:

  • Die Nahrungsaufnahme über den Verdauungstrakt ist nicht (ausreichend) möglich – eine parenterale Ernährung ist notwendig.
  • Arzneimittel sollen sehr schnell, gleichmäßig verteilt und effektiv über das Blut im Körper ankommen
  • Es muss viel Flüssigkeit zugefügt werden

Wozu dient eine Infusion ohne Medikamente?

Manchmal hört man dafür auch den Begriff „Volumengabe“. Es geht dabei meistens darum, dem Körper ausreichend viel Flüssigkeit zuzuführen. Das kann beispielsweise notwendig sein nach starkem Blutverlust. Aber auch nach starkem Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall kann eine Flüssigkeitsgabe erforderlich sein. Genauso, wenn der Patient nicht selbständig trinken kann oder will, wenn der Blutdruck zu niedrig ist oder wenn aufgrund des niedrigen Blutdrucks ein akutes Nierenversagen droht.

Im Krankenhaus werden auch oft Dauerinfusionen mit einer langsamen Tropfgeschwindigkeit gegeben, damit man in einem möglichen Notfall einen zuverlässigen venösen Zugang hat, um schnell wichtige Medikamente verabreichen zu können. Eine Infusion ohne Arzneimittelist ist immer eine Infusion mit einer so genannten physiologischen Lösung.

Was ist eine physiologische Lösung, was eine isotonische?

Die Physiologie beschäftigt sich mit den Lebensvorgängen. Der Begriff physiologisch wird meist im Sinne von „normal“, „nicht krankhaft“ verwendet. Man spricht beispielsweise von physiologischen Blutwerten, wenn man die Normalwerte bestimmter Laborwerte im Blut meint. Eine Infusionslösung wird als isotonisch bezeichnet, wenn sie der Zusammensetzung des Blutplasmas in Bezug auf die Osmolarität entspricht. Häufig wird dafür auch der Begriff physiologische Lösung verwendet. Das ist jedoch nicht ganz korrekt.

Das beste Beispiel ist die isotonische Kochsalzlösung. Diese ist isotonisch im Bezug zum Blut: 9 Gramm Kochsalz pro Liter Wasser entspricht der Osmolarität des Blutplasmas. Kochsalzlösung ist jedoch nicht physiologisch hinsichtlich der Konzentration von Natrium- und Chlorid-Ionen. Diese sind in der isotonischen Kochsalzlösung viel höher konzentriert als im Blut, weil im Blut auch die anderen Elektrolyte und Eiweiße einen Einfluss auf die Osmolarität haben, die in der NaCl-Lösung nur durch die Natrium- und Chlorid-Ionen gewährleistet wird.

Die isotonische Kochsalzlösung ist die verbreitetste isotonische Lösung, die als Trägerlösung für Medikamente zur Infusion verwendet wird. Darüber hinaus kommen aber auch andere zum Einsatz – beispielsweise:

  • Glucoselösungen – sie dienen u.a. der Energiezufuhr von Patienten.
  • Vollelektrolytlösungen – sie enthalten verschiedene Elektrolyte. Dazu gehören Ringer (Laktat)-Lösung, Jonosteril, Sterofundin
  • Kolloidale Infusionslösungen – sie enthalten Makromoleküle wie Proteine und Kohlenhydrate, die lange im Blut bleiben. Sie kommen heute nur noch selten zum Einsatz.

Trägerlösungen haben verschiedene Funktionen. Eine wesentliche ist, dass sie für isotonische Verhältnisse sorgen, obwohl das Arzneimittel selbst bzw. der Wirkstoff in der Regel nicht isotonisch ist. Isotonie ist notwendig, damit sich die Verhältnisse im Blut nicht verändern und das Blut seine vielfältigen Funktionen gewährleisten kann – beispielsweise die Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushaltes.

Warum macht man die Infusionstherapie auch in der Naturheilkunde?

Die Infusionstherapie gehört zum klinischen Alltag. Doch auch viele Naturheilpraxen arbeiten damit – warum?

In verschiedenen Therapien der Naturheilkunde geht es darum, dass bestimmte Substanzen schnell und hochkonzentriert bioverfügbar sind. Das gilt beispielsweise für hochdosierte Vitamine im Rahmen der so genannten orthomolekularen Therapie. Von den Vitaminen, die man über den Magen-Darm-Trakt zuführt, kommt nur ein Teil tatsächlich im Blut an. Wenn man sie, insbesondere Vitamin C, dagegen infundiert, sind die Blutspiegel zumindest vorübergehend so hoch, dass auch ein lokaler Mangel in bestimmten Geweben schnell ausgeglichen werden kann. Die Naturheilkunde nutzt aber auch andere Verfahren, für die das Anlegen einer Infusion notwendig ist. Ein Beispiel sind Infusionen im Rahmen der Neuraltherapie zur Schmerz-Behandlung. Ein anderes Beispiel sind intravenöse Sauerstoff-Therapien.

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