Kneipp-Therapie

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Kneipp-Therapie – mehr als nur Wassertreten

Das Wassertreten ist sicherlich das bekannteste Therapieverfahren der Kneipp-Medizin. Doch die Kneipp-Therapie hat viel mehr zu bieten und wird deshalb bereits seit mehr als 150 Jahren als Naturheilverfahren zur Behandlung und Prävention verschiedener Beschwerden genutzt. 2015 nahm die Kultusministerkonferenz das Kneippen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.

Das Leben und Wirken des Pfarrers Kneipp

Sebastian Anton Kneipp, Namensgeber der Kneipp-Medizin, wurde im Mai 1821 in Stephansried geboren und entwickelte schon früh den Wunsch, Geistlicher zu werden. So begann er 1849 mit dem Theologiestudium. Beim Versuch, seine eigene Tuberkulose-Erkrankung zu kurieren, entdeckte er ein Buch von Johann Siegmund Hahn. Dieser beschrieb dort die heilende Kraft von kaltem Wasser.

Sebastian Kneipp wagte den Selbstversuch im Wasser der Donau und spürte danach eine deutliche Beschwerdelinderung. Er wiederholte die Bäder und führte zusätzlich Güsse durch, bis sich sein Gesundheitszustand stabilisierte. Motiviert von diesen Ergebnissen, widmete sich Kneipp nach seinem Studienabschluss vermehrt den Heilmethoden und insbesondere der Heilkraft des Wassers.

Im Laufe der Jahre entwickelte er eine eigene Philosophie und darauf basierend ein ganzheitliches Gesundheitskonzept für Körper, Geist und Seele und behandelte damit über Jahrzehnte tausende Patienten. Er starb 1897 in Wörishofen.

Die fünf Säulen der Gesundheit nach Sebastian Kneipp

Getreu dem Grundsatz „Vorbeugen ist besser als Heilen“ war das Ziel von Sebastian Kneipp immer die Prävention von Krankheiten. Voraussetzung dafür war für den Pfarrer eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen. Um dem ganzen Menschen gerecht zu werden, entwickelte er ein Gesundheits- und Behandlungskonzept, das auf fünf Säulen beruht:

  • Heilwirkung des Wassers (Hydrotherapie mit Kneippschen Güssen, Wickeln, Wassertreten)
  • Gesundheit durch Ernährung (einfache, natürliche Vollwert-Ernährung)
  • Kraft der Heilkräuter
  • Leben in Bewegung (z. B. Barfuß-Laufen)
  • innere Mitte finden (Ordnungstherapie: Tagesrhythmus, Lebensführung)

Die innere Mitte finden – in Balance bleiben

Diese Säule ist wichtiger Teil der Ordnungstherapie. Körper, Geist und Seele sollen im Rahmen der Lebensordnung in harmonischer Balance existieren und so die Basis eines gesunden Lebens bilden. Heute sind diese Hinweise zur sinnvollen Lebensgestaltung aktueller denn je.

Pfarrer Kneipp empfahl, auf den eigenen Körper zu hören und stets für ein ausgeglichenes Verhältnis von Ruhe und Aktivität zu sorgen. Darüber hinaus sollen sich Menschen ein Lebensziel setzen und ihrem Alltagsleben einen weiterführenden Sinn verleihen. Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass Sinnhaftigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen für Resilienz, also für eine gesunde psychische Widerstandsfähigkeit, ist.

In Bewegung bleiben

Auch die Bewegungstherapie spielt eine entscheidende Rolle in der Kneippschen Medizin. Dabei liegt der Fokus nicht auf Leistungssport, sondern auf einer leichten und regelmäßigen Bewegung. Spazierengehen, Walking, Schwimmen oder Radfahren eignen sich gut zur Aktivierung des Stoffwechsels. Muskeln, Sehnen und Gelenke werden gestärkt und stabilisiert, die Sauerstoffversorgung verbessert sich. Zudem senkt regelmäßige Bewegung das Herzinfarktrisiko, beugt Übergewicht vor und aktiviert das Immunsystem.

Pflanzen als Heilmittel

Kneipp nutzte für seine Therapien vor allem heimische Kräuter. Diese wachsen oftmals direkt vor der Haustür und sind somit schnell und günstig verfügbar. In der Kneipp-Therapie werden die Heilpflanzen als äußere oder innere Kur genutzt und sollen auf sanfte Weise Störungen im Organismus regulieren. Auch eine Entschlackung und Reinigung des Gewebes kann mithilfe der Kräuter erreicht werden.
Die Kneippsche Medizin arbeitet mit den Heilkräutern vor allem in Form von Badezusätzen, Wickeln, Kompressen oder als Tee.

Einfache und natürliche Kost

In der Ernährung setzt der Kräuterpfarrer vor allem auf eine nahrhafte und einfache Kost, die ganz ohne festen Ernährungsplan und Ernährungsberater auskommt. Auf den Tisch kommen möglichst unverarbeitete regionale und saisonale Zutaten, ganz im Sinn der modernen Vollwert-Ernährung. Auf industriell hergestellte Produkte sollte hingegen möglichst verzichtet werden. Auf dem Speiseplan stehen überwiegend pflanzliche Produkte wie Obst und Gemüse, tierische Lebensmittel sollten nur gelegentlich verzehrt werden.

Hydrotherapie – Wasseranwendungen und Kneippgüsse

Der Hydrotherapie, also der Anwendung von Wasser zur Behandlung und Prävention von Krankheiten, kommt in der Kneipp-Medizin eine besondere Bedeutung zu. Mehr als 100 verschiedene Wasseranwendungen wurden bis heute überliefert. Eine Form der Wasserkur ist das Wassertreten. Wer regelmäßig im kalten Wasser geht, kann dadurch den Körper abhärten und somit Abwehrkräfte und Kreislauf stärken.

Auch die Kneippschen Güsse sind ein einfaches Mittel zur Verbesserung der Durchblutung und damit zur Gesunderhaltung des Körpers. Der Schenkelguss kann gegen müde Beine helfen, der Knieguss fördert das Einschlafen, und die Haut profitiert von einem erfrischenden Gesichtsguss. Auch Vollbäder sind Teil der Kneippschen Hydrotherapie. Je nach Badezusatz können die Wirkungen des Bades variieren, sodass diese Wasseranwendung vielseitig einsetzbar ist.

Mit seinen fünf Säulen der Gesundheit schuf der Naturheilkundler und Pfarrer nicht nur ein ganzheitliches Behandlungs-, sondern auch ein Lebenskonzept, das den Menschen in den Fokus stellt und seinen Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen sowie seinem individuellen Wesen Beachtung schenkt.

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