Hildegard-Medizin

Mit Freunden teilen

Hildegard-Medizin – altes Klosterwissen für heute

Die Hildegard-Medizin basiert auf dem Wissen der heiligen Hildegard von Bingen, die heute als Universalgelehrte angesehen wird und den Weg zu einer ganzheitlichen Medizin ebnete. Ihr Hauptverdienst auf dem Gebiet der Medizin lag darin, dass sie das gültige griechisch-lateinische Wissen über die Krankheiten und Heilkräfte mit der Volksmedizin zusammenbrachte und dabei gebräuchliche deutsche Namen verwendete, sodass das Volk dieses Wissen auch besser nutzen konnte. Ihre Gedanken zu Ganzheit und Einheit spielten sowohl in ihren religiösen als auch medizinischen Schriften eine große Rolle.

Sie hinterließ fast 2000 Rezepte in ihrem großen Werk „Physica“, die der österreichische Arzt Gottfried Hertzka aufarbeitete und damit den Grundstein für die heutige Hildegard-Medizin legte. Dieses komplexe Therapiesystem umfasst keine eigenen medizinischen Verfahren, sondern eine Vielzahl bewährter Methoden aus verschiedenen Quellen. Es enthält Hinweise zur Behandlung mit pflanzlichen und mineralischen Heilmitteln, aber auch eine Ernährungslehre, Ausleitungs- und Entgiftungsverfahren sowie eine eigene Form der Psychotherapie.

Die duftende Welt der Heilpflanzen

Die Aromatherapie arbeitet mit ätherischen Ölen, die aus Pflanzen gewonnen werden. Der Begriff „ätherisch“ lässt sich am besten mit „flüchtig“ übersetzen. Gemeint sind die Inhaltsstoffe der Pflanzen, die sich in der Luft relativ schnell verflüchtigen und vom Menschen mit der Nase wahrgenommen werden können. Im Allgemeinen werden die Düfte als angenehm empfunden, geprägt u.a. durch die persönliche Entwicklung gibt es jedoch individuelle Vorlieben und Abneigungen.

Bereits seit mehr als 9000 Jahren werden ätherische Öle in der Behandlung von Kranken genutzt. So machten sich sowohl die Chinesen als auch die alten Ägypter die Kräfte der Pflanzendüfte zunutze. Im Mittelalter waren ätherische Öle sogar im Einsatz gegen die Pest weit verbreitet. Um an das wertvolle, duftende Öl der Pflanze zu gelangen, werden verschiedene Techniken genutzt. Die meisten ätherischen Öle werden mithilfe der Wasserdampfdestillation gewonnen.

Eine weitere schonende Vorgehensweise ist die Kaltpressung oder Expression, die vor allem bei der Gewinnung von Schalenessenzen beispielsweise aus Zitronen- oder Orangenschalen verwendet wird. Ein sehr aufwendiges Verfahren zur Gewinnung ätherischer Öle ist die Enfleurage. Das schonende Verfahren ist mit einem hohen Zeit- und Kostenaufwand verbunden und wird heute nur noch selten durchgeführt. Einfacher lassen sich ätherische Öle mit Lösungsmitteln gewinnen. Da Lösungsmittelrückstände nicht auszuschließen sind, wird der Einsatz solcher Öle in der Aromatherapie jedoch nicht empfohlen. Theoretisch können ätherische Öle per Destillation selbst hergestellt werden, dies ist jedoch sehr aufwendig.

Hildegard von Bingen – bedeutende Universalgelehrte ihrer Zeit

Geboren wurde Hildegard von Bingen im Jahr 1098 bei Alzey als Tochter der Edelfreien Hildebert und Mechtild. Bereits im Alter von acht Jahren kam sie in eine Frauenklause, die einem Benediktinerkloster angeschlossen war und erhielt dort eine klösterliche Erziehung. 1147 siedelte sie in das Kloster Rupertsberg bei Bingen über und leitete dieses als Äbtissin. Ihrer Autobiographie zufolge erlebte Hildegard von Bingen bereits in ihrer frühen Kindheit Visionen. Diese begann sie im Alter von 49 Jahren niederzuschreiben.

Sie verfasste sowohl theologische Werke als auch Gedichte und naturwissenschaftlich-medizinische Schriften. Nebenbei war sie fast durchgehend medizinisch und seelsorgerisch in ihrem Kloster und in der Umgebung tätig. Hildegard von Bingen verstarb am 17. September 1179 im Alter von 82 Jahren.

Die Vier-Säfte-Lehre und die Vier-Elemente-Lehre

Bei der Entstehung und bei der Behandlung von Krankheiten spielen gemäß der Hildegard-Medizin die vier Säfte eine entscheidende Rolle, welche bereits seit der Antike die Grundlage medizinischer Theorien bildeten:

  • Blut
  • Phlegma (Schleim)
  • gelbe Galle
  • schwarze Galle


Diese vier Säfte kommen im Körper in unterschiedlicher Verteilung vor und sind für die Konstitution des Menschen sowie für seine Krankheitsanlagen verantwortlich. Wenn die Säfte in ein Ungleichgewicht geraten, wird der Mensch krank. In der Hildegard-Heilkunde gibt es verschiedene Heilmittel, die eine falsche Zusammensetzung der Säfte korrigieren sollen.

Dazu gehören neben Heilpflanzen auch Edelsteine. Hildegard von Bingen vertrat die Auffassung, dass die Welt und dementsprechend auch der Mensch aus den vier Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde bestehen. Die Bestimmung der Verteilung der vier Elemente gehört ebenso zur Diagnose in der Hildegard-Medizin wie die Diagnostik der vier Säfte, da die beiden Systeme miteinander in Verbindung stehen.

Die Pflanzen- und Edelsteintherapie nach Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen erwähnt in ihren Schriften eine Reihe von Heilpflanzen, die insbesondere den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflussen sollen. Jede Heilpflanze teilt sie dabei entsprechend ihrer Eigenschaften bestimmten Gruppen zu. So gibt es beispielsweise wärmende, heiße, kalte oder neutrale Pflanzen. Dementsprechend existieren Pflanzen, die Energie zuführen oder Energie entziehen.

Bei der Behandlung von Erkrankungen werden diese Kriterien berücksichtigt. Eine Krankheit, die mit viel Hitze einhergeht, braucht zur Heilung kühlende Heilpflanzen. Umgekehrt brauchen Krankheiten, die mit Energielosigkeit und Kälte einhergehen, mehr wärmende Komposita. Hildegard von Bingen nutzte aber nicht nur Pflanzen, sondern auch Edelsteine in der Therapie. Sie betrachtete die Heilsteine als Schätze der Natur, die von Gott zur Unterstützung der Heilung gegeben wurden. Die Äbtissin empfahl das Tragen von Edelsteinen als Schmuck oder das gezielte Auflegen der Steine.

Die fünf Säulen der Hildegard-Medizin

Der ganzheitliche Ansatz der Hildegard von Bingen umfasst fünf Säulen der Gesundheit.

Die erste dieser Säulen ist das Nähren der Seele, welche in der Hildegard-Medizin eine entscheidende Rolle spielt. Zur Harmonisierung der Seele eignen sich beispielsweise das Meditieren und eine geordnete Lebensführung.

Eine ebenso wichtige Säule der Gesundheit besteht in einer gesunden Ernährung. Die tägliche Nahrung sollte entsprechend der eigenen Konstitution zusammengestellt werden und sich an der individuellen Säfte- und Elemente-Zusammensetzung orientieren. Ebenso wie bei den Heilpflanzen gibt es auch in der Ernährung kühlende oder wärmende Nahrungsmittel.

Da jedoch eine ausgewogene Ernährung nicht immer möglich ist und der Mensch zudem mit schädlichen Umwelteinflüssen konfrontiert wird, beinhaltet eine weitere Säule der Hildegard-Therapie die Entgiftung des Körpers. Ausleitungs- und Entgiftungsverfahren wie der Aderlass, das Schröpfen, die Blutegeltherapie oder das Fasten können eine geregelte Funktion der Ausscheidungs- und Entgiftungsorgane unterstützen.

Die Stärkung der seelischen und körperlichen Abwehrkräfte bildet ebenfalls eine Säule der Hildegard-Medizin. Dazu gehört es, sich eigene Stärken und Schwächen bewusst zu machen und sich häufig der Selbstreflexion zu widmen. Körperliche Abwehrkräfte können mithilfe von Pflanzen oder Entgiftungs- und Darmsanierungsverfahren stimuliert werden.

Die letzte Säule ist die regelmäßige Lebensführung. Dafür sollte sich der Mensch an Regeln und Rhythmen orientieren und stets einen gesunden Wechsel von Ruhe und Aktivität anstreben.

Naturheilkunde Online-Magazin

Alle anzeigen

Therapeuten oder Arzt in Ihrer Nähe finden

Sie suchen einen naturheilkundlichen Arzt oder Heilpraktiker ganz in Ihrer Nähe? Mit Hilfe Ihrer Postleitzahl werden Sie fündig.