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Heilpflanzen: Eine jahrtausendealte Erfolgsgeschichte

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Die Heilkraft der Natur: Für jede Krankheit ist ein Heil-Kraut gewachsen

Pflanzen spielen im Leben der Menschen eine bedeutende Rolle: Pflanzen wie beispielsweise Getreide gehören traditionell zu unserer Nahrung, aus Baumwolle oder Leinen stellen wir Kleidung her, als Blumen oder Topfpflanzen verschönern sie unser Heim - und vieles mehr. Auch in der Medizin und Pharmazie sind sie enorm wichtig: hier in Form von pflanzlichen Arzneimitteln, die im Rahmen der Pflanzenheilkunde - der Phytotherapie - ein Pendant zu chemischen Medikamenten darstellen. Wichtige Heilpflanzen sind dabei beispielsweise das Johanniskraut, das bei Depressionen und depressiven Verstimmungen eingesetzt wird oder die Kamille, von der jedes Jahr über 500 Tonnen zu pflanzlichen Arzneimitteln verarbeitet werden.

Die meisten von uns haben sicherlich schon einmal Kamillentee getrunken, um den Magen zu beruhigen oder Thymian aufgegossen, um eine Erkältung zu vertreiben. Da sind wir auch schon mittendrin, nämlich in der „Phytotherapie“ oder auch einfach „Pflanzenheilkunde“. Der Wortbestandteil „Phyto“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Pflanze“.

Daher auch die Wörter „Phytotherapie“ für Pflanzenheilkunde oder zum Beispiel „Phytomedizin“ als Lehre von den Krankheiten der Pflanze selbst. Als Wort existiert „Phytotherapie“ erst seit dem 20. Jahrhundert: Der Begriff wurde von einem französischen Arzt geprägt, Henri Leclerc.

Gesundheit - aber pflanzlich! Heilpflanzen mit jahrtausendealter Tradition

Die Heilkunde aus der Natur hat eine lange Tradition, denken wir an Sebastian Kneipp oder Hildegard von Bingen, Paracelsus oder Hippokrates von Kos - allesamt Vorreiter in der Behandlung von Krankheiten mit Arzneipflanzen. Tatsächlich kennt die Medizingeschichte die Phytotherapie als eine der ältesten Therapieformen der Menschheit. Wie man von Ausgrabungen weiß, aßen bereits die Neandertaler vor 40.000 Jahren Heilpflanzen, um sich zu kurieren oder Nahrung bekömmlicher zu machen.

Was sich nach einer echten Erfolgsgeschichte anhört lief nicht immer so reibungslos. Im Mittelalter gab es einen herben Einschnitt. Als Magie verschrien, wurden die Anwender pflanzlicher Medizin wegen Hexerei verfolgt. Im schlimmsten Fall mussten sie um ihr Leben bangen. Das war auch das zwischenzeitliche Ende der Erforschung von Pflanzen. Zum Glück hat es das Wissen um die Kraft der Heilpflanzen trotzdem bis in unsere Zeit geschafft. Bewohnern mittelalterlicher Klöster ist es gelungen, dieses Wissen zu bewahren. Durch den Anbau von Heilpflanzengärten konnten die Erkenntnisse sogar noch weiter vertieft werden.

Moderne Pflanzenheilkunde

Richtig wissenschaftlich ist die Phytotherapie aber erst im 18. und 19. Jahrhundert geworden, als Botaniker die Heilpflanzen klassifiziert haben. Ein Name, den man in diesem Zusammenhang nennen sollte, ist Carl von Linné. Teile seiner Pflanzen-Systematik sind auch heute noch gültig, also rund 300 Jahre später.

Im 19. Jahrhundert wurde es dann möglich, einzelne Bestandteile der Pflanzen chemisch zu isolieren. 1817 wurde zum Beispiel Coffein in der Kaffeepflanze entdeckt, 1828 Nikotin in der Tabakpflanze und 1831 Atropin, das Gift der Tollkirsche. Später kamen noch moderne Arzneimittelstudien hinzu, die das Wissen über die Heilkraft von Pflanzen vergrößert und in eine andere Richtung gelenkt haben – von der reinen Erfahrungsheilkunde, der „traditionellen Phytotherapie“ zur sogenannten „rationalen Phytotherapie“ - rational, weil verstandesgemäß und nicht nur aus überlieferter Erfahrung heraus.

Mittlerweile hat sich die traditionelle Heilkunde durch eine exzellente Studienlage zu vielen Heilpflanzen zu einer modernen Phytotherapie weiterentwickelt, deren Heilwirkungen der pflanzlichen Mittel bzw. deren Wirkstoffe immer besser untersucht und dokumentiert werden. Heilpflanzen finden auch keineswegs nur in Europa Anwendung, sondern sind eine weltweite Erfolgsgeschichte, denkt man beispielsweise an die indische Ayurveda oder die Kräutermischungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM. Teilweise werden hier andere Arzneipflanzen verwendet, wie etwa der Ginseng, der in Asien häufig medizinisch genutzt wird. In Deutschland und Europa dürften Arnika, Thymian und Salbei, Pfefferminze und Baldrian zu den beliebtesten Heilpflanzen zählen. Auch der Sonnenhut Echinacea, die Ringelblume Calendula, die Mariendistel, der Huflattich oder der Löwenzahn sind echte Heilpflanzen-Klassiker. Viele davon kann man auch im eigenen Garten anbauen, um sich im Bedarfsfall selbst mit wirksamen Inhaltsstoffen versorgen zu können, um so von der heilenden Wirkung zu profitieren, z. B. in Form von Kamillen-Tee zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden oder Brennnessel-Tee zur Entgiftung.

Pflanzliche Medizin aus Heilpflanzen: Gesunde Wirkung auf verschiedenen Wegen

Je nach Heilpflanze nutzt man verschiedene Teile der Pflanze, entweder das komplette Heilkraut samt Wurzel, nur die Blüten, nur das Kraut oder nur die Wurzel. Auch gibt es verschiedene Wege, um an die Wirkstoffe zu gelangen, beispielsweise ein wässriger Auszug als Tee oder ein alkoholischer Auszug mit Ethanol, um auch diejenigen Wirkstoffe extrahieren zu können, die nicht wasserlöslich sind. Das angesprochene Johanniskraut kann auch in verschiedener Weise genutzt werden: als Tee, ätherisches Öl, als Extrakt in Tablettenform oder als Johanniskraut-Öl. Hier kann die pflanzliche Wirkung des Heilkrauts sowohl mit innerlicher als auch mit äußerlicher Anwendung erzielt werden. Auch Thymian kann man auf vielfältige Weise verwenden: auch hier ist der Tee beliebt, aber auch als Extrakt in Hustensäften oder als gesundes Erkältungsbad kann Thymus vulgaris wirken.

Es muss nicht zwangsläufig ein Medikament sein, um eine Heilpflanze als Heilmittel nutzen zu können. Bei der Aloe vera kann man auch nur ein Stück des Blattes abschneiden, um damit z. B. die Haut direkt zu behandeln, beispielsweise bei Sonnenbrand.