Ab- und Ausleitende Verfahren

Ausleitung und Entgiftung für mehr Vitalität

Die Leber ist das eigentliche Entgiftungsorgan unseres Körpers. Sie ist zuständig für den Abbau und das Unschädlichmachen, also Entgiften von Stoffwechselendprodukten und all den Stoffen und Umweltgiften, die wir tagtäglich aufnehmen. Auch andere Organe sind an der Ausscheidung und damit Ausleitung all dieser problematischen Stoffe beteiligt. Das sind das Lymphsystem, die Nieren mit den ableitenden Harnwegen und die Haut. Bei einer zu starken Schadstoffbelastung kann das Entgiftungssystem überfordert sein - verschiedene Krankheitssymptome können auftreten.

Das System der Grundregulation

Seit ca. 150 Jahren wird ein gestörtes Geschehen innerhalb einer Körperzelle als Ursache für das Krankheitsgeschehen angesehen. Man spricht von der Virchow’schen Zellularpathologie. Sie bildet zusammen mit der Mikrobiologie die Basis für die heutige wissenschaftliche bzw. schulmedizinische Sicht der Krankheitsentstehung, der ein klares Ursache-Wirkungs-Prinzip zu Grunde liegt. Prof. Alfred Pischinger, einem Wiener Histologe ist es zu verdanken, dass auch die Ganzheitsmedizin in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ein wissenschaftliches Fundament bekam, denn er sah immer die Organzelle und dem Raum, der diese Organzelle umgibt, als Einheit an: Er wusste, dass die Zelle nicht isoliert vom Milieu betrachtet werden darf! Dieser Raum, das Interstitium oder Zwischenzellgewebe wird auch als extrazelluläre Matrix bezeichnet. Er steht in engem Kontakt mit allen Zellen und Geweben im Körper und ist damit der eigentliche Entstehungsort von vielen Krankheiten, nicht die Zelle selbst. Josef Angerer, ein bekannter Naturheilkundler, bezeichnete diesen Raum sehr anschaulich als „Das Meer, in dem die Organe schwimmen“. Hier finden der Informationsaustausch und der Stoffaustausch zwischen den einzelnen Körperzellen sowie zwischen Zellen, Blut und Lymphe statt. Der gesamte Stoffwechsel, also alle biochemischen Vorgänge innerhalb und zwischen den Zellen, laufen hier ab. Sind Stoffaustausch und Informationsaustausch in diesem Bereich gestört, werden Zellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Signalen versorgt und Abfallprodukte nicht mehr ausreichend entsorgt. Aus ganzheitlicher Sicht ist dieser so genannte Pischinger Raum der eigentliche Entstehungsort vieler Erkrankungen und deshalb auch der Ansatzort vieler naturheilkundlicher Therapien, wie Ausleitung, Neuraltherapie, Entsäuerung, Lymphdrainage, Akupunktur.

Woher kommen die Ablagerungen im Gewebe

Täglich werden wir mit chemischen Verbindungen aus der Luft, der Nahrung oder im direkten Hautkontakt konfrontiert. Unsere Nahrung enthält Pestizide, Herbizide, Farbstoffe, Konservierungsstoffe und vieles mehr. Über Hautpflegeprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel nehmen wir weitere Chemikalien und Duftstoffe zu uns – auch Weichmacher in Trinkflaschen. Unsere Kleidung und die vielen Kunststoff-Produkte in unserer Umgebung sorgen für reichhaltigen Eintrag von problematischen Stoffen in unseren Körper. Insbesondere in den Städten ist die Belastung mit Feinstaub sehr hoch. Wenn die Belastung mit Schadstoffen überhandnimmt und der Körper nicht ausreichend entgiften kann, lagern sich Schlacken und Giftstoffe in dem Zellzwischenraum ab. Infolge ist kein adäquater Stoffaustausch mehr möglich. Die Leistungsfähigkeit der stoffwechselaktiven Enzyme wird reduziert. Die Störungen der Grundregulation beeinträchtigen auch die Organzellen, sodass verschiedene Krankheiten und Beschwerden entstehen können. Zur Entlastung des Körpers und zur Elimination der belastenden Substanzen können ab- und ausleitende Verfahren sowie eine Entgiftungskur sinnvoll sein.

Schadstoffe ab- und ausleiten

Die klassischen Ab- und Ausleitungsverfahren stammen aus der Humoralpathologie, die davon ausgeht, dass alle Krankheiten durch eine fehlerhafte Mischung der Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle entstehen. Der bekannte Arzt Paracelsus war der Überzeugung, dass Beschwerden immer dann auftreten, wenn sich an einer Stelle im Körper schädliche Stoffe angesammelt haben, die der Organismus von alleine nicht loswerden kann. Eine künstliche Öffnung an der betroffenen Stelle soll den Abfluss der schädlichen Stoffe erleichtern und so zur Heilung beitragen. Verfahren, die mit einer solchen künstlichen Öffnung zur Ausleitung arbeiten, nennt man Ausleitungsverfahren. Dazu gehören zum Beispiel:
  •  Aderlass
  • Cantharidenpflaster-Behandlung
  • Blutegel-Behandlung
Ableitende Maßnahmen wie das trockene Schröpfen oder das Baunscheidtverfahren haben hingegen eher eine Reizung zur Energieumverteilung zum Ziel. Sowohl bei den ab- als auch bei den ausleitenden Verfahren sollen zudem über die unspezifischen Reize, die an der Haut gesetzt werden, das Immunsystem stimuliert und der Stoffwechsel angeregt werden.

Stoffwechselaktivierung und Entgiftung durch interne Ausleitungsverfahren

Eine Umstimmung des Organismus kann aber nicht nur durch externe Reize erfolgen. Bei einer Belastung des Körpers ist eine Stärkung und Anregung der Entgiftungsorgane und des Darms ebenso wichtig. Dazu können verschiedene pflanzliche Arzneimittel oder Mittel aus der Homöopathie genutzt werden. Bitterstoffe aus Löwenzahnwurzel oder Enzian können die Verdauung auf natürliche Weise unterstützen und die Leber zur Entgiftung anregen. Bei starken Belastungen bietet die Mariendistel zusätzlichen Leberschutz. Die Braunwurz und der Bärlapp regen den Lymphabfluss an, wohingegen Goldrute und Brennnessel wegen ihres positiven Einflusses auf die Funktion der Nieren verwendet werden. Bei Detox-Kuren sollte die Haut, eines unserer größten Entgiftungsorgane, nicht vergessen werden. Wie lange eine solche Entgiftung dauert, hängt von der eigenen Konstitution und der Schadstoffbelastung ab. Die durchschnittliche Zeit, über die Entgiftungs- und Ausleitungskuren angewandt werden, liegt zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten.

Den Körper bei der Entgiftung unterstützen

Natürlich ist eine Entgiftungskur sinnlos, wenn danach ebenso viele Schadstoffe zugeführt werden wie vorher. Sowohl während als auch nach der Ausleitung ist zur Anregung des Stoffwechsels eine ballaststoff- und vitalstoffreiche Ernährung mit Basenüberschuss empfehlenswert. Obst und Gemüse sollten mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen. Auch Vollkornerzeugnisse tragen zu einer geregelten Verdauung und einer guten Nährstoffversorgung bei. Wenn viele Säurebildner wie Fleisch, Wurst verzehrt werden, müssen Basenbildner – v.a. Gemüse -  im gleichen Maße zugeführt werden, um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten. Zuckerhaltige Produkte sollten gemieden werden. Ebenso wichtig wie das gesunde Essen ist eine ausreichend hohe Flüssigkeitszufuhr. Während der Ausleitung sollte die tägliche Trinkmenge zwei Liter nicht unterschreiten. Andernfalls kann es zu Entgiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen oder Unwohlsein kommen. Geeignet sind stille Mineralwässer und Kräutertees.
Auch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann den Körper bei der Entgiftung unterstützen.
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