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Gesunde Küchenkräuter II

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Rosmarin, Oregano und Eberraute

Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

Der Rosmarin ist eine sehr alte Gewürzpflanze, die sich ihren Ruhm aber zunächst eher in religiösen Ritualen, in der Parfumerie und in der Heilkunde erworben hat – und erst später in der Küche. Wie der bis zu 2 Meter hohe, würzig duftende Strauch aus dem Mittelmeerraum in den Rest Europas gekommen ist, ist nicht überliefert. Erwähnt wird er aber bereits von Karl dem Großen.

Rosmarin ist eine stark symbolträchtige Pflanze, die auf Liebe, aber auch auf den Tod verweist: Im alten Ägypten waren Rosmarinzweige verbreitete Grabbeigabe und auch im Europa des 18. Jahrhunderts kam der Rosmarin bei Begräbnissen zum Einsatz (nicht zuletzt, um mit seinem starken Aroma den Geruch zu überdecken). Aber nicht nur der Tod, sondern auch die Liebe spielt eine Rolle: Bei Shakespeare beispielsweise bindet Ophelia zum Zeichen Ihrer Treue Hamlet einen Rosmarinkranz. Im antiken Griechenland war der Rosmarin der Göttin Aphrodite geweiht.

Der besondere Duft der Pflanze verhalf ihr ebenfalls zu hohem Ansehen: „Ungarisches Wasser“, eines der ersten Parfüms der Welt aus dem 14. Jahrhundert enthielt Rosmarinauszüge. Darüber hinaus verleiht er Kartoffeln, Zucchini und der Kräutermischung „Kräuter der Provence“ ein unverwechselbares Aroma.

In der Naturheilkunde hat Rosmarin seinen Platz: innerlich zur Anregung des Kreislaufs und der Verdauung, äußerlich zur Steigerung der Durchblutung oder bei Rheuma & Gicht, beispielsweise als Salbe, Rosmarinbad oder Einreibung.

Oregano (Origanum vulgare)

Nicht nur Bienen, sondern auch zahlreiche Schmetterlinge und andere Insekten lieben den Oregano. Auch Dank der Beliebtheit der italienischen Küche steht die Pflanze, auch Wilder Majoran genannt, mittlerweile in den meisten Gewürzregalen und Kräuter-Töpfen der Republik (Pizzagewürz). Oregano schmeckt etwas herber als der lieblichere Majoran.

Ein weiterer Trivialname, nämlich „Wohlgemut“, verweist darauf, dass man in früheren Zeiten darauf setzte, dass die Pflanze mit dem hohen Gehalt an ätherischen Ölen die Lebensfreude stärkt und Sorgen vertreibt. 

Majoran (Origanum majorana) und Oregano (Origanum vulgare) sind eng miteinander verwandt, Oregano weist aber meistens ein intensiveres Aroma auf. Anhand der Behaarung der Blätter kann man beide unterscheiden: die Blätter des Oregano sind leicht behaart, wohingegen die des Majorans glatt sind.

Als Heilpflanze spielte der Oregano früher eine bedeutsamere Rolle als heute, wo er mehrheitlich als Gewürzpflanze angewendet wird. Der griechische Arzt Dioskurides hingegen lobte den Oregano als erwärmend. Wie der Majoran soll der Oregano aber auch einen positiven Effekt auf die Verdauung haben – beim Würzen mit der Pflanze tut man also nicht nur seinem Gaumen etwas Gutes. Wissenschaftlich belegt ist dies allerdings nicht ausreichend.

Eberraute (Artemisia abrotanum)

Eine im Mittelalter sehr geschätzte Heilpflanze, die mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten ist – und zwar zu Unrecht: die Eberraute. Im Kräuterbuch des italienischen Arztes und Botanikers Pietro Andrea Mattioli aus dem Ende des 16. Jahrhunderts wissen wir, dass die Pflanze gegen Parasiten wie Würmer, bei Brustschmerzen und bei Geschwülsten verwendet wurde.

Die Eberraute (Artemisia abrotanum) gehört zur Gattung Artemisia, einer mit mehr als 500 Arten sehr reichen Gattung. Sie hat daher viele bekannte Verwandte, zum Beispiel den bereits in einem frühereren Post vorgestellten Estragon (Artemisia dranunculus). Auch Wermut (Artemisia absinthum) und Beifuß (Artemisia vulgaris) sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Eberraute überzeugt aber nicht nur als Heilkraut, sondern kann auch in der Küche genutzt werden, denn sie ist reich an ätherischen Ölen. Eberraute schmeckt würzig-herb und bitter, eignet sich daher für sehr deftige, fettige Gerichte. Das hat zudem den Vorteil, dass man gleichermaßen auch noch von den verdauungsfördernden Eigenschaften des Krauts profitieren kann: die enthaltenen Gerbstoffe und Bitterstoffe regen Magen, Galle und Leber an, wodurch Verdauungssäfte produziert werden.

Den aromatischen Geruch der Pflanze kann man sich zudem in anderer Hinsicht zunutze machen: Traditionell kann man das getrocknete Kraut zur Abwehr und Bekämpfung von Motten verwenden, indem man ein Säckchen des getrockneten Krauts in den Kleiderschrank hängt, um so die kleinen Stofffresser abzuhalten. Da die Eberraute beim Trocknen kaum an Aroma verliert, kann man sie nicht nur für die Mottenabwehr, sondern auch für die Küchen-Verwendung super bevorraten. Natürlich kann man auch die frischen Pflanzenteile zum Kochen nehmen.

In Gartenmärkten findet man die Eberraute oft unter der Bezeichnung Colastrauch. Auch wenn Ihr die Pflanze nicht als Gewürz oder Heilpflanze verwendet, ist sie durch ihren wunderbaren Duft ein guter Tipp für Balkon und Terrasse.