Die Geschichte der Naturheilkunde

Viele naturheilkundliche Verfahren haben den gleichen Ursprung wie der Eid des Hippokrates: das Corpus Hippocraticum. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von mehr als 60 antiken medizinischen Texten, die zwischen 500 vor und 200 nach Christi entstanden sind. Grundlage war, dass der Arzt als Helfer der Natur wirken und die Selbstheilungskräfte, also die innere Natur des Menschen, stärken müsse.

Ernährung, Wasser- und Klima-Therapien, aber auch Abführen und Ausleiten, sowie positives Denken gehörten zu den wichtigsten Maßnahmen.

Säfte-Lehre (Humoral-Pathologie): die Krankheitslehre des Abendlandes

Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht das gestörte Gleichgewicht zwischen Ying und Yang als Krankheitsursache an. Auf dessen (Wieder-)Herstellung beruht z.B. die Akupunktur.

Beim indischen Ayurveda sind es Kapha, Vata und Pitta, die im Gleichgewicht sein müssen, um Gesundheit zu erlangen bzw. erhalten.

Durchaus vergleichbar mit diesen asiatischen Krankheitslehren ist die Säfte-Lehre unserer europäischen Vorfahren: Bis ins 19. Jahrhundert galt die richtige Mischung der Säfte Blut, Schleim, schwarze und gelbe Galle als Voraussetzung für Gesundheit. Ein falsches Säfte-Verhältnis bringt das Krankheitsbild hervor, so dachte man über Jahrhunderte hinweg. ?Nach damaliger Ansicht wurde das Säfte-Verhältnis beeinflusst durch:

Insbesondere ausleitende Verfahren, aber auch Änderungen der Lebensweise und Ernährung dienten der Wiederherstellung der richtigen Säfte-Mischung und damit der Gesundheit. Sie sind die Wurzeln unserer abendländischen Heilkunst.

Wenn die Natur irgendwo im Körper einen Schmerz erzeugt, so will sie dort schädliche Stoffe anhäufen und ausleeren. Wenn sie das nicht selber fertig bringt, so muss der Arzt eine künstliche Öffnung dafür schaffen. (Paracelsus im 16. Jhd.)

Zwar haben sich die Erklärungsmöglichkeiten dieser Therapie-Methoden im letzten Jahrhundert dank des wissenschaftlichen Fortschritts stark verändert. Unverändert geblieben ist jedoch, dass sich viele nach wie vor exzellent in der Praxis bewähren.

Natur-Wissenschaft versus Natur-Heilkunde

Eine extrem bewegte Zeit in der Medizin war das 19. Jahrhundert: Die Sichtweisen und Praktiken der Vertreter der traditionellen abendländischen Medizin mit den überlieferten Verfahren standen denen der modernen, naturwissenschaftlichen Medizin unvereinbar gegenüber.

Erst jetzt (1839) wurde der Begriff „Naturheilkunde“ erstmals erwähnt - sozusagen als Abgrenzung zur naturwissenschaftlichen Medizin.


Während das Lager der „Schulmedizin“ so wirkungsvolle wie auch giftige Arzneimittel für sich entdeckte, wie Quecksilber-Salbe gegen Schmerzen und Verletzungen, Arsenik zur Stärkung und Schierlingslösung bei Heiserkeit, steuerte die Naturheilkunde dieser Entwicklung entgegen: Hahnemann experimentierte mit starken Verdünnungen dieser Gifte und entwickelte so die Homöopathie. Die Naturheil-Vereine lehnten Arzneimittel jeglicher Art ab und setzten auf Licht, Luft, Wasser, Wärme, Nahrung, Bewegung und Ruhe.

Die größten Feinde der Naturheilkunde und des Fortschrittes sind: die Genusssucht, Bequemlichkeit und Denkfaulheit der Leute. Am meisten macht und erhält gesund: natürliche Nahrung und Mäßigkeit, Nachtruhe und Frühaufstehen, Hautpflege und Abhärtung, Arbeit mit Bewegung und Luftgenuss. (Aus: Der Naturarzt 1866)

Naturheilkunde in Deutschland – heute:

Von den ca. 360 000 berufstätigen Ärzten haben rund 35 000 eine naturheilkundliche oder komplementärmedizinische Qualifikation. Etwa genauso viele Heilpraktiker üben darüber hinaus die Naturheilkunde in Deutschland aus.

Leider hat man noch immer das Gefühl, dass sich Vertreter der Naturheilkunde und der Schulmedizin gegenüberstehen – anstatt Hand in Hand das gleiche Ziel zu verfolgen: Gesundheit.

Das ist erstaunlich, weil viele naturheilkundliche Verfahren inzwischen sogar den wissenschaftlichen Kriterien zur Wirksamkeit entsprechen, andererseits aber viele wissenschaftlich-schlüssige Therapie-Verfahren einer kritischen Betrachtung nicht immer standhalten bzw. von der Einbeziehung naturmedizinischer Sichtweisen profitieren würden.

Aber: Naturheilkunde wird immer beliebter und die Menschen sehnen sich nach dem Natürlichen, dem Ursprünglichen und wünschen sich, dass Naturheilkunde und Schulmedizin gleichberechtigt nebeneinander stehen und sich gegenseitig ergänzen. Das beweisen auch aktuelle Studien-Ergebnisse.

Was haben Akupunktur, ayurvedische Therapien und abendländische Medizin gemeinsam? Was war aus Sicht unserer Ahnen die Ursache für Krankheit? Wo liegen die Wurzeln für moderne Naturmedizin? ...

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